Lebenslauf


Lebenslauf.

Dunkelheit liegt über meinen ersten 15 Monaten.

Bekannt ist nur, dass ich auf Grund einer Anzeige der Nachbarn von meinen damaligen Besitzern durch die Polizei und den Tierschutz sichergestellt wurde.

Die Nachbarn hörten oft mein Jaulen wenn ich geschlagen wurde.

Immer wieder und wieder hörten sie es.

Sie hatten mich aber noch nie gesehen.

Wie auch.

Meine "Wohnung" war doch ein finsterer Keller ohne Fenster.

Dann haben sie eines Tages die Polizei und den Tierschutzverein gerufen.

Die gerufene Polizei und die Leute vom Tierschutz nahmen mich mit.

Von den Mitarbeitern des Tierheims in das ich gebracht wurde bekam ich erst mal eine Sonnenbrille. 

Ich kannte diese " SONNE " bis dahin ja nicht.

Durch einen Tausch mit dem Tierheim Ansbach kam ich nach Ansbach und ein großer Hund aus Ansbach kam in mein bisheriges Tierheim.

Wie sich Wochen später herausstellte war dieser Tausch das Beste was mir passieren konnte.

Allerdings war mein Zustand sehr schlecht und ich wog nur noch 2,5 kg und hatte nur eine Person von der ich Wasser und Futter annahm.

Anfassen durfte auch nur sie mich und wenn schon Gassi gehen dann nur mit ihr.


So hab ich ausgesehen mit 2,5 kg:


Der Lichtblick: Samstag der 12. April 2008


Es war ein kalter aber sonniger Samstag Morgen als ich mit 2 anderen Hunden zum Gassi gehen abgeholt wurde.

Wir waren schon eine Weile unterwegs als ein Mann auf einem Fahrrad uns entgegen kam und sich mit meiner menschlichen Freundin unterhielt.

Sie kannten sich scheinbar.

Ich hörte zu und rückte immer näher zu ihm.

Welch ein Schreck.

Er will mich anfassen.

Meine Begleiterin sagte er wird zu viel Angst haben.

Das hat er noch niemand machen lassen.

Er streckte seine Hand aus und ich musste einfach dran schnüffeln und hielt mein Köpfchen hin und ließ mich streicheln und kraulen.

Es war nicht unangenehm.

Er unterhielt sich noch eine Weile mit meiner Begleiterin und fuhr mit seinem Fahrrad weg.

Mein Weg ging wieder zurück ins Tierheim um auf die Nachmittags Gassi-Runde mit meiner Freundin zu warten.

Es wurde unruhig in den Zwingern um mich.

Einer nach dem anderen wurden zum Gassi gehen abgeholt.

Ich stand an meiner Zwingertüre und wartete.

Umsonst.

Nur ich wurde nicht abgeholt.

Ich verkroch mich wieder in der hintersten Ecke.

Wo bleibt nur meine Freundin ?

Eine andere Mitarbeiterin des Tierheims kam mit zwei Frauen an mein Gitter und rief mich.

Mir zitterten meine kleinen krummen Russellbeine und hatte richtig Angst.

Was die wohl von mir wollten ?

Ich blieb erst mal in der hintersten Ecke sitzen aber die Neugier war stärker und ich ging ganz vorsichtig an das Gitter um die beiden zu beschnüffeln.

Etwas von dem Geruch kam mir bekannt vor und es war einen Versuch wert und eine andere Wahl hatte ich ja auch nicht.

Also ließ ich mich Anleinen und ging mit ihnen in Richtung Ausgang und da stand er wieder der mit dem Fahrrad vom Vormittag und er rief mich als er mich sah.

Wir gingen unsere Gassirunde und ich wurde wieder ins Tierheim zurück gebracht.

Ich zitterte vor Kälte und Angst.

Irgendwie war ich froh wieder in meinem "Zimmer" zu sein.

Schade.

Die Leckerlis von ihnen waren ganz gut.

Am nächsten Tag war Sonntag, es war schön aber lausig kalt und ich wurde wieder von den dreien abgeholt und als wir ein Stück vom Tierheim weg waren kam plötzlich ein Junge mit seiner Freundin und einem Hund (Tammy) zu uns und alle begrüßten mich und freuten sich über mich dann gingen wir alle zusammen Gassi.

Für einige Zeit hatte ich sogar vergessen Angst zu haben.

Schade daß meine Zeit um war und ich wieder zurück ins Tierheim mußte.

War ein schöner Nachmittag.

Ob sie wohl wiederkommen ?

Die Angst wurde etwas weniger, lag wohl an den Leckerlis.

Björn, Jenny,Tammy und ich.

Sonntag der 13. April 2008

Juhuu - Sie sind wieder da !!!

Wir sind wieder spazieren gegangen,

sogar im Wald waren wir.

Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei.

Als wir wieder im Tierheim waren haben meine neuen "Freunde" sich mit den Leuten vom Tierheim unterhalten.

Keine Ahnung um was es ging, hätte es zu gern gewußt.

Als die Zeit für die Nachmittags - Gassi - Zeit gekommen war wußte ich um was es am Vormittag ging.

Sie wollten am Nachmittag auch wieder mit mir Gassi gehen.

Es war wieder Super aber lausig kalt wie die letzten Tage, es hat sogar ein wenig geschneit.

Als wir wieder zurück kamen haben sie sich wieder mit den Leuten vom Tierheim unterhalten.

Mir war gar nicht wohl, hätte zu gern gewußt was es schon wieder zu bereden gab.

Die Angst war wieder da.

Ich sollte es aber bald wissen.

Montag 14. April und Dienstag 15. April 2008

Ich hatte den ganzen Tag vergebens auf meine neuen Freunde gewartet.

Sie waren Leider nur am Abend da und mir ging es nicht mehr so gut.

Mein Untergewicht war schon heftig.

Ich brachte gerade noch 2,5 Kg auf die Waage.

Das einzige was ich die letzten Tage zu mir genommen hatte waren die paar Leckerlis die meine Besucher immer für mich dabei hatten.

Mittwoch der 16. April 2008

Dies sollte der wahrscheinlich schönste Tag meines Lebens werden, dabei begann er für mich wie jeder andere Tierheimtag.

Nachmittag war irgend etwas anders als sonst.

Ich wurde aus meinem unmöblierten 1 Zimmer-Apartement geholt und in das Büro gebracht.

Ich war wieder am zittern vor Angst.

Es wurde telefoniert und über mich geredet.

Als die Türe aufging und meine neuen "Freunde" da waren kannte ich mich überhaupt nicht mehr aus.

Ich wußte nicht ob ich mich freuen oder Angst haben soll. Aus meinen Erfahrungen die ich gemacht hatte entschied ich mich für die Angst.

Es wurde geredet und am PC wurde etwas geschrieben und ausgedruckt.

Die Leute vom Tierheim haben gelacht und haben mich meinen neuen Freunden mitgegeben, wie immer wenn wir Gassi gegangen sind.

Als wir die Türe vom Tierheim hinter uns geschlossen hatten hätte ich nie im Leben zu träumen gewagt, dass es das letzte mal sein könnte, dass ich durch diese Türe gehen werde.

Es ging es aber nicht den üblichen Weg zur Gassirunde sondern auf die andere Straßenseite zum Parkplatz.

Mir wurde die Autotüre geöffnet und ich durfte auf den Rücksitz.

Dann sind wir gefahren.

Das war richtig schön und ich hab aus dem Fenster geschaut wie wenn ich schon oft mit ihnen gefahren wäre.


Die Fahrt dauerte nur einige Minuten und ich mußte aussteigen und wir gingen zu einem Haus in das ich mit ihnen gehen sollte.

An der Haustüre hab ich es dann doch mit der Angst bekommen und wollte nicht mehr weiter, mein neues Herrchen hat mich dann einfach ins Haus getragen.

In der Wohnung hat er mich im Flur auf den Boden gelassen.

Ich habe gezittert und wagte mich nicht von der Stelle.

Irgend wann hat man mich dann ins Wohnzimmer getragen und dort zitterte ich weiter und rührte mich nicht von der Stelle.

Nach einer Weile wurde mir meine Leine angelegt und meine beiden Frauchen gingen mit mir Gassi.

Das war mir schon angenehmer.

Aber als wir zurück kamen sollte ich wieder in das Haus gehen.

Ich wurde wieder hineingetragen.

Langsam hörte ich zwar mit der Zitterei auf aber von der Stelle bewegt hab ich mich trotzdem nicht.

Es wurde Abend und ich durfte nochmal Gassi gehen mit meinen beiden Frauchen.

Das war mir viel angenehmer als in der Wohnung zu sitzen.

Aber es blieb mir nicht erspart wieder in die Wohnung zu müßen.

Was wird das wohl für eine Nacht ???

Diese Nacht war für alle bis heute ein unvergessliches Erlebnis.

Was machen die mit mir ?

Darf ich bei ihnen bleiben ?

Oder bringen die mich wieder ins Tierheim ???

Am nächsten Morgen war erst mal Gassi gehen angesagt und aus der Nachbarschaft freuten sich alle Leute dass mein Frauchen wieder einen Hund hatte.

Manche bezeichneten mich als ihr "Handtäschchen".

Neue Kumpels hatte ich auch gleich.

Der Teddy war ein ehemaliger Laborhund und wohnte nur 2 Häuser weiter.

Der Wolfi, ein Mischling, war der Hund von Herrchens Arbeitskollegen.

Eine Schäferhundin, Roxi, sie war ein Blindenhund und führte einen Blinden Mann aus der Nachbarschaft und dann war da noch Nelly, ein Husky-Mix Mädchen, richtig schnuggelig aber auch manchmal eine Zicke.

Von allen ist Leider nur noch die Nelly übrig, die anderen sind schon gestorben.

Allerdings sind auch wieder zwei dazu gekommen.

Die Franzi eine Rauhaardackel Dame und der Rusty ein reinrassiger "Mix".

Wir haben unser Revier ganz gut unter Kontrolle.

Angst kenn ich nicht mehr.

Aus dem "Handtäschchen" ist ein richtiger Jack Russell geworden.

Vor einigen Wochen hatten wir unangekündigten Besuch vom Leiter des Tierheims und einer Mitarbeiterin.

Sie wollten einmal schauen wie es mir geht.

Die haben mich nicht mehr erkannt.

Sie haben gesehen wie ich nun lebe und waren total happy.

Der Leiter des Tierheims hat vor Freude sogar ein paar Tränchen geweint.

Sie haben richtig gejubelt vor Freude dass es mir jetzt richtig gut geht.

Das Tierheim hab ich nie wieder gesehen.

Ja - Es geht mir jetzt richtig gut.